Krach im Rat um die Petrus-Kita

Thomas Schlick (AfD) ist sie zu teuer. Fraktionen und Verwaltung halten ihm mangelnde Rechenkünste vor.

Die Petrus-Kita ist zu klein und müsste saniert werden. Jetzt soll der Neubau kommen.Archivfoto: regíos24

Barbara Benstem

Vorsfelde Schon in der Einwohnerfragestunde ging es bei der Sitzung des Stadtrates am Mittwoch um den Fuhrenkamp. Eine Anwohnerin, die bereits einen Baubescheid hat, wollte wissen, inwieweit Veränderungssperre und dergleichen Einfluss auf die Planung hätten. Dies brachte Ortsbürgermeister Günter Lach (CDU) auf den Plan. „Ich bin erstaunt über den Baubescheid. Wir haben doch noch nicht mal einen Bebauungsplan, fassen heute erst einmal Beschlüsse auf dem Weg dahin. Bisher ist nur Bebauung nach dem Kleingartenbaurecht möglich.“ Lach unterstrich dann allerdings seine Freude darüber, dass es nun endlich losgehe mit dem Fuhrenkamp-Projekt. „Seit den 80ern diskutieren wir darüber. Die Verwaltung hat hier einiges versäumt.“ Im Rahmen der Kleingärtnerei habe die Bauaufsicht Wildbauten geduldet. „Mein Vorgänger Alfred Riebe wollte mal die Bagger kommen lassen und alles begradigen. Es gibt noch Altlasten der Ziegelei aber heute haben wir drei Beschlüsse, über die wir uns freuen können.“ In Sachen Verkehr habe man bei der Bürgerkämpe schon eine gute Lösung hinbekommen. Es gebe über die Brücke der Westumgehung gute Anbindung an Vorsfelde, so Lach.

Eben auf adäquate Verkehrsplanung hatte zuvor auch Kerstin Struth gepocht. 650 Wohneinheiten soll es geben. Vor allem Familien mit kleinerem Budget müssten profitieren, forderte die SPD-Politikerin. „Der Erhalt der Kleingärten ist dabei wichtig. Bäume und Büsche sind nicht nur für die Wärmeregulierung wichtig. Sie nehmen auch Lärm auf. Und nicht nur für den Autofahrer muss es eine sichere Querung nach Vorsfelde geben – das könnte dann für Schüler auch das Elterntaxi ersparen“, hofft Kerstin Struth auf möglichst viele Fuhrenkämper, die per ÖPNV oder mit dem Rad zur Schule oder zum Sportverein nach Vorsfelde fahren. Thomas Schlick (AfD) gefiel nicht, dass fürs 73 Hektar große Projekt Ackerfläche genommen werde. Ohnehin habe man doch auch den Sonnenkamp in der Planung, wenn es um Wohnraum ginge. Seine Fraktion wünsche sich mehr Möglichkeiten zum Bauen in der zweiten Reihe, so wie es in vielen Ortsteilen gefordert werde. Mit vier Gegenstimmen von der AfD brachte der Rat für den Fuhrenkamp die aktuellen Beschlüsse auf den Weg.

Wie ignorant muss man sein, um die genannten Fakten einfach nicht zu akzeptieren? Dies fragte erbost Oberbürgermeister Klaus Mohrs AfD-Politiker Schlick, als es um den Neubau der St.-Petrus-Kita in Vorsfelde ging. Schlick hatte zuvor erklärt, dass der Bau einfach zu teuer geplant sei und man für 8,5 Millionen Euro zwei Kitas bauen könne. Die Verwaltung hätte die zu hohen Kosten doch vorher ansprechen und eingreifen können. Schlick: „Es ist jetzt blöd, das alles abzusagen, aber so können wir das nicht mittragen.“ Das Geld werde an anderer Stelle gebraucht.

Es entstünden 105 Kita-Plätze, die Wolfsburg dringend brauche, hatte Falko Mohrs (SPD) zuvor unterstrichen. Die Paulus-Kita habe seinerzeit auch 7,5 Millionen Euro gekostet. Der Bau müsse dringend vorangetrieben werden, Wolfsburg habe eine tolle Geburtenrate und es sei für Eltern unglaublich schwierig, eine Betreuungsstelle zu bekommen, so Mohrs.

Stadträtin Iris Bothe wies die Kritik von Schlick, mit Systembauweise und weniger anspruchsvoller Bauweise hätte Geld gespart werden können, entschieden zurück. Diese Behauptungen würden nicht wahrer, je öfter man sie wiederhole. „Die Petrus-Kita weist nicht das Gelände auf, auf dem man Systembauweise umsetzen kann. Außerdem hat ein Systembau eine Standzeit von 20 Jahren. Es ist wenig sinnvoll, eine hohe Summe nur für 20 Jahre zu investieren.“ Der Entwurf sei gut, alles auf die lange Bank zu schieben, hieße, erhebliche Preissteigerungen in der Bauwirtschaft in Kauf zu nehmen. Die Vorsfelder würden seit mehr als einem Jahrzehnt auf den Kita-Bau warten, so Iris Bothe.

Er gehe nicht von seiner Meinung ab, unterstrich AfD-Politiker Schlick. Auch der Hinweis von Frank Roth, CDU, der ihm vorrechnete, dass zwei Kitas für den Preis nicht möglich seien, stimmte ihn nicht um. In Richtung von Oberbürgermeister Mohrs monierte er: „Wenn Sie mit Argumenten nicht überzeugen können, werden Sie persönlich.“ PUG-Politiker Detlef Barth forderte per Geschäftsordnung „Ende der Debatte.“ So geschah es.